Als langjähriges Mitglied des Netzwerks von Labels und Läden moderner öko-fairer Kleidung "korrekte klamotten" stehen wir im engen Austausch mit vielen Akteuren der Branche. Gemeinsam mit allen anderen Händlern haben wir uns verpflichtet, die Entwicklung der von uns vertriebenen Marken genau zu beobachten, bei Verdacht auf Unstimmigkeiten gemeinsam aktiv zu werden und Kritik für unsere Kund_innen und alle anderen Interessierten transparent zu machen. Aus aktuellem Anlass beziehen wir nun gemeinsam Stellung zu einem Jeans-Test der Stiftung Warentest und anderer europäischer Verbraucherorganisationen.

Eine Pressemitteilung der Kuyichi- und Nudie-Händler im korrekte klamotten Netzwerk!

Im heute von der Stiftung Warentest veröffentlichten Jeans-Test schneidet der Ethical Fashion Pionier Kuyichi sehr schlecht ab. Auch Nudie Jeans kommt nicht richtig gut weg.

Bei Kuyichi beziehen sich die Vorwürfe weniger auf reale sozial-ökologische Probleme in der Produktion, sondern vorrangig auf einen Mangel an Transparenz und insbesondere das Ausbleiben von Antworten auf mehrfache Anfragen.

Schon einige Wochen zuvor wurde der Test in der österreichischen Konsument veröffentlicht. Die Kuyichi-Händler aus dem Netzwerk für moderne öko-faire Kleidung „korrekte klamotten“ stehen seit dieser ersten Veröffentlichung in intensivem Dialog mit Kuyichi.

Bereits 2010 wurden erste gemeinsame Anfragen an Kuyichi gestellt. Auslöser war zu diesem Zeitpunkt ein in der sogenannten Scorecard für Kuyichi (erstellt von der NGO made-by) ersichtlicher Rückgang des Anteils sozial zertifizierter Zulieferer, sowie Unklarheit darüber, welche Bemühungen das Unternehmen über die Zertifizierungen hinaus vornimmt, um menschenwürdige Produktionsbedingungen sicherzustellen.

Leon Fellows (fairtragen, Bremen): „Hätten für den Jeans-Test die Informationen vorgelegen, die wir bereits auf unsere Anfrage in 2010 erhalten haben, dann hätte das sicherlich zu einem sehr viel besseren Abschneiden Kuyichis beigetragen.“

Im Test wird nicht zuletzt mangelnde Information über die Weiterverarbeitung der Jeans beanstandet. Laut Kuyichi sind jedoch nahezu alle Jeans nach dem anspruchsvollen Öko-Standard GOTS-zertifiziert und auf Sandstrahlung wird verzichtet.

Für die soziale Zertifizierung hat sich Kuyichi halbjährliche Etappenziele gesetzt. Bis zur Sommerkollektion 2012 sollen 70 Prozent, bis zur Winterkollektion mindestens 90 Prozent der Artikel entweder in SA8000 zertifizierten Fabriken oder in europäischen „Low-Risk Countries“ hergestellt sein. Das entspricht „Class A“ im Social Benchmark von made-by. Derzeit sind laut Kuyichi 52 Prozent der Artikel nach „Class A“ produziert.

„Die gesteckten Ziele werden von uns als positives Zeichen eingeschätzt.“, zeigt sich Lars Wittenbrink (gruene wiese) optimistisch. „Wir werden jedoch sehr genau verfolgen, ob Kuyichi diese Ziele auch wirklich erreicht.

Mit Absichtserklärungen allein wollen sich die kk Händler jedoch nicht zufrieden geben. Ihrer Meinung nach sollte Kuyichi über Zertifizierungen hinaus konsequent und transparent an einer Verbesserung der Produktionsbedingungen bei ihren Zulieferern arbeiten. Matthias Rau (zündstoff, Freiburg): „Kuyichi könnte beispielsweise einen Beitritt in eine Multistakeholder-Initiative wie die Fair Wear Foundation (FWF) anstreben, um seiner Rolle als Vorreiter umfassend gerecht zu werden.“

Schon einige Jahre Mitglied in der FWF ist der ebenfalls im Test vertretende schwedische Jeans-Hersteller nudie. Umso irritierender finden wir, dass die Stiftung Warentest kommentiert: „Ruhen sich auf Zertifikaten wie GOTS aus“. Eine Mitgliedschaft in der FWF ist das, was die Kampagne für saubere Kleidung (CCC) und andere NGOs als den glaubwürdigsten Schritt zur einer fairen Produktion ansehen. Und GOTS gilt als höchster internationaler Öko-Standard.

Überhaupt fragen sich die kk Händler, wie Hersteller, deren Jeans fast ausschließlich aus konventioneller Baumwolle hergestellt werden, so gut abschneiden können. Beim konventionellen Baumwoll-Anbau leidet nicht nur der Boden. Laut WHO sterben jährlich bis zu 10.000 Menschen an den Folgen von massivem Pestizideinsatz.

Lars Wittenbrink: „Wir alle schätzen die Arbeit der Stiftung Warentest sehr. Bei diesem Test beschleicht uns allerdings das Gefühl, dass es bei Konzeption und Auswertung Lücken in der Expertise gab.“

Fehler können passieren. Dieser ist jedoch ein ungerechtfertigt herber Schlag für zwei Pioniere moderner, nachhaltiger Kleidung. Kuyichi und Nudie sind zweifelsfrei noch verbesserungsfähig, aber ihrer konventionellen Konkurrenz sind sie ethisch weit voraus.

Leon Fellows (fairtragen, Bremen)

Sascha Klemz und Matthias Rau (zündstoff, Freiburg)

Simone Pleus und Lars Wittenbrink (gruene wiese, Münster)

Bernd Claude Hausmann (glore, Nürnberg)

Wiebke Hövelmeyer (glore, Hamburg)

Martin Höfeler (armed angels)

bei Rückfragen: lars [ät]  gruenewiese-shop.de

 

Stellvertretend für die Händler des korrekte klamotten Netzwerks wird Lars von gruene wiese (Münster) beim Beyond Fashion Summit im Oktober in Berlin auf einem öffentlichen Podium mit einer Vertreterin von Kuyichi über die Pannen im Jeans-Test und den Zukunftskurs des Unternehmens diskutieren.

Einen guten Artikel zum Jeans-Test findet ihr im Blog gruenemode.de der Journalistin, "Saubere Sachen"-Autorin und Greenpeace-Mitarbeiterin Kirsten Brodde.

Ergänzung

Inzwischen gibt es auch eine Pressemitteilung von Kuyichi:

http://kuyichi.com/company/press-releases/stiftung-warentest-kuyichi/de.php

In dieser Pressemitteilung weicht die Aussage zum derzeitigen Zertifizierungsstand von der gegenüber uns gemachten Angabe von Anfang 2011 ab. Wie es zu dieser Abweichung kommt, werden wir klären.