Zertifizierungen & Materialien

Bisher gibt es nicht die eine zentrale Zertifizierung für alle ökologischen und fairen Textilien. Unsere mit vielen Akteuren der öko-fairen Modeszene abgestimmte Definition des Mindestanspruchs öko-fairer Mode (siehe Kriterienmatrix) basiert daher auf vielen verschiedenen Zertifikaten, Mitgliedsorganisationen und Materialien. Im Folgenden stellen wir diejenigen vor, die bei den von uns vertriebenen Marken/Brands zum Einsatz kommen.



 Zertifizierungen

 

GOTS-Siegel

Global Organic Textiles Standard (GOTS)

Der GOTS ist ein Produktzertifikat, das ökologische und soziale Standards für die Textilproduktion festlegt. Ziel des Standards ist es, einen kontrollierten Standard für Textilien zu definieren, welcher den gesamten Produktionsprozess des Produkts von der Herstellung der Ausgangsfasern bis zum Endprodukt unter ökologischen und sozial verantwortlichen Kriterien bewertet. Der Verhaltenskodex enthält wie die anderen Sozialstandards die grundlegenden Sozialstandards, aber keine existenzsichernden Löhne.

Auf bedenkliche Chemikalien wird verzichtet. Es wurden solche Farbstoffe und Hilfsmittel gewählt, deren toxikologischen und ökologischen Wirkungen geprüft sind und die als unbedenklich eingeschätzt werden. Gebleicht wird nur in Ausnahmefällen, und wenn, dann nicht mit chlorhaltigen Chemikalien, sondern mit Sauerstoff. Ausrüstungen erfolgen in erster Linie auf mechanische, thermische und physikalische Weise und nicht auf chemischem Wege.

Es gibt zwei Varianten von GOTS:

  • Variante 1: „organisch" (bio) oder „organisch – in Umstellung". Das Textil muss mindestens oder zu mehr als 95 Prozent aus zertifizierten Fasern aus Bio-Anbau bzw. Anbau in Umstellung auf Bio-Anbau bestehen; es dürfen weniger als maximal 5 Prozent der Fasern aus konventionellem Anbau oder synthetischen Fasern stammen.
  • Variante 2: „aus X Prozent bio" oder „aus X Prozent in Umstellung auf bio": Hier müssen mindestens oder 70 bis 95 Prozent der Fasern aus zertifiziertem Bio-Anbau bzw. Anbau in Umstellung auf Bio-Anbau im Textil enthalten sein; maximal oder weniger als 30 Prozent der Fasern dürfen aus konventionellem Anbau oder synthetischen Fasern bestehen - mit Einschränkungen wie z.B. gentechnikfrei; der Anteil der synthetischen Fasern darf maximal zehn Prozent betragen (Ausnahmen: bei Socken, Leggings und „Sportswear" darf ein Anteil von bis zu 25 Prozent synthetischen Fasern erreicht werden).

In jedem Fall sind mindestens 70 Prozent der Fasern aus Bio-Anbau (bzw. in Umstellung auf Bio-Anbau). Vor allem ist genau geregelt, wie die Fasern weiterverarbeitet werden dürfen und welche Stoffe zum Einsatz kommen dürfen. Dadurch ist gewährleistet, dass eine mögliche Schadstoffbelastung im Endprodukt so gering wie möglich ist. Der Inspektions-Zyklus ist jährlich.

Quelle: www.label-online.de

Weitere Informationen: www.global-standard.org

Fairtrade-Siegel
Fairtrade Certified Cotton

Fairtrade ist ein Siegel, dass auf Textilien die Verwendung von Fairtrade-zertifizierte Baumwolle ausweist. Fairtrade International legt internationale Standards fest, die auch einen Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie für die Produzenten enthalten. Fairtrade-zertifizierte Bauernorganisationen erhalten für ihre Produkte ein stabiles Einkommen. Die Produzenten werden von der unabhängigen Zertifizierungsstelle FLO Cert zertifiziert.

Nach Fairtrade Certified Cotton Standard gelten zusammengefasst folgende Regeln:

  • Die Baumwoll-Bauern bekommen den für eine Region definierten Fairtrade Mindestpreis bezahlt. Wenn der Weltmarktpreis höher als der definierte Minimumpreis ist, dann bekommen sie den Weltmarktpreis. Fairtrade-zertifizierte Baumwollbauern müssen sich demokratisch organisieren.
  • Die Produzentenorganisation bekommt für die Fairtrade- zertifizierte Baumwolle eine zusätzliche Fairtrade-Prämie. Die Produzenten (also alle Bauern) entscheiden gemeinsam, wie sie diese Prämie investieren wollen (z.B. Investitionen in die Qualitätsverbesserung, Bildung oder medizinische Versorgung).
  • Die Einhaltung der Fairtrade-Standards auf den Baumwollfelder wird von FLO Cert regelmässig überprüft. Ausserdem gelten entlang der Lieferkette bestimmte Mindest-Sozialstandards..

Weitere Informationen: www.fairtrade.net

 
Global Recycling Standard-Siegel

Global Recycling Standard (GRS)

Der GRS kennzeichnet Textilien, die aus Recycling-Textilien bestehen. Es wurde entwickelt, um Anforderungen in der Textilindustrie und für die Überprüfung der Höhe der Recycling-Teile oder Inhaltsstoffe in einem Produkt zu erfüllen. Es ist wichtig für Einzelhändler und Verbraucher gleichermaßen zu wissen, welche Teile der spezifischen Produkte aus recycelten Materialien, und wie diese Materialien sind in der gesamten Lieferkette verarbeitet werden.

Weitere Informationen: http://textileexchange.org/content/global-recycle-standard

 
IVN-Best-Siegel
 

IVN Best

IVN Best vom Internationalen Verband Naturtextil kennzeichnet Textilien, die zu 100% aus Naturfasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen. Die Textilien wurden nach höchsten Standards umweltschonend produziert. Die Kriterien umfassen u. a.:

  • Fasern aus zertifiziert ökologischer Landwirtschaft bzw. aus Umstellung, Verbot umweltschädlicher Verarbeitungs- und Ausrüstungsmethoden (z. B. Ammoniakbehandlung, Chlorierung von Wolle, optische Aufheller, Antistatika, Filzfrei),
  • Verbot bestimmter Substanzen (z. B. Formaldehyd, als krebserregend eingestufte Farbstoffe, schwermetallfreie toxikologisch unbedenkliche Naturfarbstoffe oder synthetische Farbstoffe mit AOX-Gehalt > 5 %, Metallkomplexfarben),
  • Accessoires (z. B. Nutzung naturbelassener, nachwachsender Rohstoffe, allerdings keine bedrohten Hölzer, Chrom- und Nickelfreiheit von Metallen für Schnallen etc., Lackierung auf Wasserbasis bzw. natürliche Lacke und Öle),
  • Jegliche Accessoires wie Knöpfe, Reißverschlüsse, Schnallen, etc., müssen frei von Chrom, Nickel, Polyvinylchlorid (PVC) und bedrohten Hölzern sein. Erlaubt sind jegliche natürliche Materialien, Polyester und Elasthan.
  • Alle Betriebe müssen über eine Umwelt-Richtlinie verfügen, die Verfahrensbeschreibungen beinhalten
  • getrennte Lagerung zertifizierter und konventioneller Ware,
  • Ferner enthält der Code of Conduct grundlegende Sozialstandards (z. B. Verbot von Zwangsarbeit, Diskriminierung, Kinderarbeit, Einhaltung geregelter Arbeitszeiten). Existenzsichernde Löhne werden nicht definiert.

Quelle: www.label-online.de

Weitere Informationen: www.naturtextil.com


SA8000-Siegel

Social Accountability 8000 (SA 8000)

SA 8000 ist ein Fabrikzertifikat, das Sozialstandards für eine Fabrik definiert und zusätzlich festlegt, was für ein Management-System in der Fabrik aufgebaut werden soll, damit die Umsetzung der Sozialstandards langfristig gesichert ist. Das SA 8000 Zertifikat ist offen für unterschiedliche Sektoren.

Der SA 8000 Standard basiert auf internationalen Arbeitsplatz-Normen der Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der UN-Kinderrechtskonvention.

SA 8000 wurde von der Multi-Stakeholder Initiative Social Accountability International (SAI) entwickelt.

In der Regel fragt eine Fabrik bei SAI nach einer Zertifizierung. Wenn bestimmte Mindeststandards in der Fabrik erfüllt sind, und wenn bestimmte Systeme zum Management der Sozialstandards in der Fabrik implementiert sind, dann wird die Fabrik gegen Zahlung eines Beitrags zertifiziert. Das Zertifikat muss alle drei Jahre erneuert werden.

Weitere Informationen: www.sa-intl.org


Low Risk Countries
Low Risk Countries bezeichnet Länder, bei denen NGOs und Menschenrechtsaktivisten davon ausgehen, dass das Risiko für Arbeitsrechtsverletzung gering ist und somit eine Zertifizierung nicht erforderlich. Die Durchsetzung sozialer Mindeststandards Mindeststandards wie sie von Fair Trade oder der Fair Wear Foundation festgelegt sind, wird in diesen Ländern Staat, Gewerkschaften und Betriebsräten zugetraut. Die Fair Wear Foundation stuft derzeit alle EU25-Länder sowie die Schweiz als Low Risk Countries ein. Get Changed fast dies mit EU15 plus Schweiz etwas enger.

Bei uns fallen vor allem die Sachen von slowmo und Treches unter die Low Risk Country Regelung. Sie werden komplett in Berlin und Brandenburg von kleinen und sehr gut dokumentierten Betrieben angefertigt.

Zudem werden die Schuhe von Jonnys von 2 Familienbetrieben in Spanien sowie Teile der Kollektionen von KnowledgeCotton, Armedangels, nudie Jeans und Twothirds in Portugal genäht. Die Jeans von nudie Jeans werden in Italien gefertigt.


 Mitgliedsorganisationen

 

FWF-Siegel

Fair Wear Foundation (FWF)

Die FWF will Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie verbessern. Die FWF beschränkt sich auf die Nähprozesse (Konfektion). Unternehmen können Mitglied in der FWF werden. Sie zahlen einen Jahresbeitrag und verpflichten sich dazu, die Regeln der FWF umzusetzen, unter anderem:

  • Implementierung der definierten Sozialstandards in der eigenen Lieferkette (Implementierung der definierten Sozialstandards in der eigenen Lieferkette (Der Standard basiert auf nationalen Gesetzen, internationalen Arbeitsplatz-Normen der Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der UN-Kinderrechtskonvention);
  • Existenzsichernde Löhne werden verlangt;
  • Eigene Audits & Kontrollaudits durch die FWF bei den Lieferanten;
  • Jährliche Berichterstattung an die FWF sowie Veröffentlichung von Sozialberichten und Detailinformationen zu den Mitgliedern;
  • Aufbau von Systemen im Unternehmen, die langfristig hohe Arbeitsstandards in der Lieferkette garantieren.
Die FWF ist eine Multi-Stakeholder Initiative. Im Steuerungsgremium sind verschiedene gesellschaftliche Gruppen (Unternehmensverbände, Gewerkschaften und NGOs) vertreten. Dies verleiht der FWF eine hohe Glaubwürdigkeit.

Die FWF ist eine sogenannte Lerninitiative. Eine Mitgliedschaft in der FWF garantiert nicht, dass in der Lieferkette der Mitglieder bereits alle geforderten Sozialstandards umgesetzt sind. Vielmehr versucht die FWF langfristig sicher zu stellen, dass das Unternehmen die Sozialstandards in der Lieferkette verbessert. Derzeit arbeitet die FWF an einem Ampelsystem, dass es Interessierten ermöglicht auch ohne die ausführlichen Berichte zu lesen die aktuelle Performance der Mitglieder einzuschätzen und zu vergleichen.

Mehr Informationen: www.fairwear.org

 

 


WFTO-Siegel

World Fair Trade Organization (WFTO)

Die WFTO ist wie die FWF eine Mitgliedsorgansation, bei der jedoch nur Unternehmen Mitglied werden können, die bereits alle Anforderungen erfüllen. Die Mitgliedschaft ist damit so etwas wie ein Unternehmenszertifikat. Die Mitglieder der WFTO müssen das "Sustainable Fair Trade Management System" der WFTO umsetzten, das die zentralen Prinzipien des Fairen Handels umfasst. Es will das die Marktposition von Bauern, Produzenten und Handwerkern stärken. Die Grundlage des Standards bilden die Grundsätze der WFTO, die so genannten "10 Prinzipien":

  1. Möglichkeiten für ökonomisch benachteiligte Produzenten schaffen
  2. Transparenz und „Accountability"
  3. Faire Handels Prinzipien
  4. Bezahlung eines fairen Preises
  5. Sicherstellen, dass keine Kinder- und Zwangsarbeit eingesetzt wird
  6. Verpflichtung zur Nicht-Diskriminierung, Geschlechtergerechtigkeit und Versammlungsfreiheit
  7. Sicherstellen von Guten Arbeitsbedingungen
  8. Capacity-Building" bereitstellen
  9. Fairen Handel fördern
  10. Respekt für die Umwelt

WFTO-Mitglieder sind Produzenten-Kooperativen/-Vereinigungen, Export-Marketing-Gesellschaften, Importeure, Einzelhändler, nationalen regionales Fair-Trade-Netzwerke und Finanzinstitutionen, die der Fair-Trade-Bewegung angehören.

Die Aufgabe der WFTO besteht darin, die sozialen Situationen benachteiligter Produzenten zu verbessern, die Zusammenarbeit von Fair Trade Organisationen zu fördern und sich für eine größere Gerechtigkeit im Welthandel einzusetzen.

Das WFTO Siegel zertifiziert im Gegensatz zum Fairtrade-Siegel der FLO nicht Produkte, sondern das ganze Unternehmen.

Weitere Informationen: www.wfto.org


 

Materialien


Ökologischer Faservergleich

Jedes Textil fängt mit der Faser an und die Art der Faser bestimmt einen wesentlichen Teil des ökologischen Fußabdrucks, also der Gesamtumweltauswirkungen von Produkt und Herstellung. Die verschiedenen Fasern zu vergleichen ist immer nur näherungsweise möglich, da die Anzahl der denkbaren zu betrachtenden Faktoren sehr groß ist und die Ergebnisse stark durch die Grenzen der Berechnungen bestimmt sind.

Alle bisherigen größeren Faservergleiche betrachten die Ökobilanz bis zum Garn. Ausser Acht bleibt dabei damit sowohl die Haltbarkeit des Garns bzw. der aus diesem Garn produzierten Textilien als auch die Wiederverwertbarkeit des Materials nach der Nutzungsphase.

Dennoch geben uns Ökobilanzvergleiche eine Grundorientierung, welche Fasern ökologisch Sinn machen und welche sich vielleicht nur gut anhören (z.b. Bambus-Viskose) aber eigentlich nicht als umweltfreundlich bezeichnet werden können.

Für unser Sortiment gilt, dass wir nur Produkte aus Fasern aufnehmen, die so umweltverträglich sind wie Bio-Baumwolle oder sogar besser.
Der folgende Faservergleich basiert auf dem Faser-Benchmark der niederländischen NGO made-by. Den Original-Faservergleich und eine Erläuterung der Methodik findet ihr hier.

Der made-by-Faservergleich wurde für einen Artikel von Wiesenbewohner Lars auf dem Grüne Mode Blog von Kirsten Brodde (Greenpeace Detox, Saubere Sachen) um einige neue Einstufungen ergänzt, die auf Experteneinschätzungen basieren. Zu den betroffenen Fasern liegen made-by noch keine oder nicht genügend Studien vor, um sie zu klassifizieren. Das gilt auch für alle Fasern in der Spalte ganz rechts (Unclassified).

Besonders hervorgehoben sind in der Tabelle die sogenannten Regeneratfasern zu denen auch die Viskosen zählen. Grün markiert sind die Regeneratfasern, die wirklich einen ökologischen sinnvollen Ansatz haben. Rot markiert sind solche Regeneratfasern, die zwar gerne als ökologisch angepriesen werden, jedoch in der Gesamtsicht ökologisch nicht besser abschneiden als konventionelle Baumwolle oder frisches Polyester.

Rohmaterial von Regeneratfasern ist immer Cellulose, in der Regel Holz. Ökologisch problematisch ist hingegen der meist chemie- und energieintensive Prozess, in dem aus diesem Rohstoff die jeweilige Fasern gewonnen wird. Was den Prozess bei Tencel / Lyocell und Modal Edelweiß von den anderen Regeneratfasern unterscheidet, beschreiben wir im jeweiligen Abschnitt weiter unten. Den Originalartikel zur folgenden Tabelle findet ihr hier.

Faservergleichstabelle

Bio-Baumwolle (organic cotton)

Der Großteil der von uns angebotenen Kleidung besteht aus Bio-Baumwolle. Bio-Baumwolle wird ohne erdölbasierte Pestizide und Insektizide sowie ohne erdgasbasierte Mineraldünger angebaut. Gentechnik ist bei Bio-Anbau grundsätzlich verboten. Die vorgeschriebene Fruchtfolge und Mischkultur fördern die Artenvielfallt. Häufig kann durch den biologischen Anbau auch der Bedarf an künstlicher Bewässerung gesenkt werden.

Deutlich wird der Vorteil von Bio-Baumwolle vor allem dann, wenn man sich die Folgen des konventionellen Anbaus vergegenwärtigt. Etwa 25 Prozent der weltweiten Produktion an Pflanzenschutzmitteln wird im Baumwollanbau verwendet. Dabei wird nur auf 2,5 Prozent der weltweiten Agrarflächen Baumwolle angebaut. Setzt man diese beiden Zahlen in Bezug, lässt sich die Giftkonzentration auf den Feldern erahnen.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich 10.000 bis 15.000 Menschen an diesem massiven Pestizideinsatz. Die betroffenen Bauern wissen meist nicht, wie gefährlich die von ihnen eingesetzten und oftmals sogar international verbotenen Pestizide und Insektizide sind. Sie haben einfach nur Angst um ihre Ernte und versuchen diese zu schützen.

Durch gentechnisch verändertes Saatgut geraten zudem viele Bauern in Abhängigkeit von großen Saatgut- und Pestizidkonzernen, die beides gleich im abgestimmten Doppelpack anbieten. Viele Baumwollbauern verschulden sich, weil das gentechnisch veränderte Saatgut nicht hält was es verspricht und immer mehr Pestizide erfordert. Insbesondere in Indien kommt es Jahr für Jahr zu vielen Selbstmorden unter verschuldeten Baumwollbauern.

 

Recycling-Baumwolle (recycled cotton)

Genau wie Bio-Baumwolle vermeidet Recycling-Baumwolle die negativen Folgen des konventionellen Anbaus. Auch der Wasser- und Flächenverbrauch des biologischen Neuanbaus fallen weg. Recycling-Baumwolle gibt es in 2 verschiedenen Arten: Pre-Consumer und Post-Consumer. Pre-Consumer bedeutet hier, dass Baumwollreste aus der industriellen Produktion recycelt werden.

Postconsumer bedeutet, dass Altkleider zur Gewinnung der Fasern verwendet wurden. Insbesondere in letzterem Fall entstehen beim Recycling kürzere Fasern, die dann meist mit frischen Fasern gemischt werden müssen, wenn ein robuster Stoff erzeugt werden soll. Bei uns im Sortiment sind beigemischte Frischfasern dann immer aus biologischem Anbau.


Hanf (hemp)

Hanf wurde früher sehr häufig für Kleidung eingesetzt. Die Faser ist sehr reißfest und damit geeignet für robuste Kleidung. Aber auch weichere Hanfgewebe sind möglich, insbesondere durch Mischung mit Bio-Baumwolle.

Auch wenn die Faservergleichstabelle zwischen Bio-Hanf und konventionellem Hanf unterscheidet, ist Bio-Hanf im Textilbereich so gut wie nicht zu finden. Da Hanf generell sehr gut ohne Pestizide und Kunstdünger wächst, gehen Studien davon aus, dass der meiste Hanf quasi biologisch angebaut wird. Wir machen daher bei Hanf eine Ausnahme und lassen ihn auch ohne Bio-Zertifikat zu, obwohl er in der Tabelle schlechter als Bio-Baumwolle eingestuft ist. Für diese Ausnahme spricht auch die umfassendste uns bekannte Vergleichsstudie (Nia Cherett et al. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester).

 

Leinen (linen)

Auch Leinen wurde früher sehr häufig für Kleidung eingesetzt und ist inzwischen eine Nischenfaser. Wie Hanf kann das dem Leinen zu Grunde liegende Flachs sehr gut in Europa angebaut werden und kommt wunderbar ohne Pestizide und Dünger aus. Auch bei Leinen gibt es selten biologisch zertifizierte Fasern, jedoch gilt Leinen auch in konventioneller Qualität als sehr ressourcenschonend.


Recyclingpolyester (recycled polyester/PET)

Recyclingpolyester wird häufig aus PET-Flaschen, manchmal aber auch aus alter Polyesterkleidung gewonnen. Es wird kein frisches Erdöl benötigt und somit auch kein neuer Kunststoff zur Abfallproblematik hingezugefügt. Zumindest für die Dauer der neuen Nutzung wird der Abfall sogar reduziert. Sortenreines Polyester kann näherungsweise kreislaufförmig immer wieder recycelt werden (ein gewisser Materialschwund im Prozess ist jedoch unvermeidbar).

Problematisch an Polyester im Allgemeinen ist der fast immer enthaltene Stoff Antimon, der als möglicherweise krebserregende Substanz gilt. Das Antimon verschwindet auch beim Recycling nicht. Dennoch gilt Polyester als umweltfreundlichste konventionelle Kunstfaser und in recycelter Qualität sogar als eine der umweltfreundlichsten Textilfasern überhaupt.

Bei uns im Sortiment kommt Recycling-Polyester eigentlich nur bei Windbreakern, Badeshorts und auch bei veganen Kunstlederschuhen zum Einsatz. Alles 3 Produktbereiche bei denen sonst erdölbasierte Kunststoffe zum Einsatz kommen, die neben Antimon noch eine nicht-nachhaltige Rohstoffbasis haben.

 

Lyocell (Tencel, Monocel)

Tencel ist der Markename des österreichischen Herstellers Lenzing für eine sogenannte Lyocell-Faser. Lyocell ist eine Regeneratfaser mit einem umweltfreundlichen Prozess. Die Rohstoffbasis von Lyocell ist Cellulose. Bei Tencel wird sie aus FSC-zertifiziertem Eukalyptus und zunehmen auch aus europäischem Buchenholz gewonnen. Letzteres ist zu begrüßen, da Eukalyptusplantagen auch trotz nachhaltiger Forstwirtschaft negative Folgen für die Biodiversität haben können. Bei Monocel dient Bambus als Cellulosequelle.

Anders als bei Viskosen wird bei Lyocell ein untoxisches Lösungsmittel zur Fasergewinnung eingesetzt, das zudem im Kreislauf geführt wird. Dasselbe Lösungsmittel bricht also immer wieder neue Fasern aus der Cellulose. Lyocell ist zu 100 % kompostierbar.
Lyocell kommt vorrangig bei Damenoberbekleidung zum Einsatz. Lyocell-Stoffe fühlen sich sehr weich an, "fließen" und haben oft einen leichten, seidigen glanz.

 

Modal Edelweiß

Modal Edelweiß ist der Markename des österreichischen Herstellers Lenzing für eine weitere Regeneratfaser. Rohstoffbasis ist hier Buchenholz. Modal gibt es auch ohne den Zusatz Edelweiß und von anderen Herstellern und schneidet dann im Faservergleich eher schlecht ab. Lenzing hat bei seiner Modal-Produktion quasi die Ansätze von Lyocell/Tencel auf Modal übertragen. Also nicht-toxisches Lösungsmittel und Rückgewinnung des Lösungsmittels.



Schafswolle (lambs wool)

Schafswolle ist eine tierische Naturfaser. Wir versuchen möglichst nur Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) anzubieten. Bei unseren Brands slowmo, L'herbe Rouge und KnowledgeCotton ist dies der Fall. kbT setzt Regeln für die Zufütterung (muss bio-zertifiziert sein) sowie die Tierhaltung und die Wollverarbeitung. Insbesondere ist das in wärmeren Ländern sehr verbreite Mulesing verboten, bei dem Schafen ohne Betäubung ein Stück Haut rund um den Schwanz entfernt wird, um den Befall durch Fliegenlarven zu verhindern. Auch die ebendalls verbreitete Pestizidbehandlung der lebenden Schafe ist nicht erlaubt.

Zudem wird auf die sonst übliche Filzfrei-Behandlung der Wolle mit Chlor verzichtet.

Da Bio-Wolle noch recht selten und in einigen Produktionsländern kaum zu bekommen ist, erlauben wir auch Wolle die nicht-zertifiziert, aber nachgewiesen Mulesing- und chlorfrei gewonnen ist.

Wolle hat natürliche antibakterielle Eigenschaften und muss bei guter Lüftung nur sehr selten gewaschen werden, was sich sehr positiv auf die Ökobilanz in der Nutzungsphase auswirkt.

 

Alpaca-Wolle (alpaca wool)

 

Pflanzlich gegerbtes Leder (vegetable tanned leather)

Pflanzlich gegerbtes Leder ist normales Leder, das mit pflanzlichen Stoffen gegerbt wird. Aus ökologischer Sicht ist die Gerbung das problematischste am Material Leder. Konventionelles Leder wird mit Chrom gegerbt. Bei der Gerbearbeit erkranken viele Arbeiter schwer und auch für die Umwelt ist die konventionelle Gerbechemie äußerst giftig.

Auch wenn wir sehr um vegane Angebote bemüht sind, wollen wir auf Lederschuhe nicht verzichten. Sie halten einfach sehr viel länger als alle bisherigen veganen Alternativen, kommen ohne erdölbasierte Materialien aus und sind auch wesentlich atmungsaktiver.

Seit einger Zeit gibt es eine Bio-Leder-Zertifizierung, die aber noch kaum auf dem Markt Verwendung findet. Die Tierhäute werden in der Regel eben nicht nach bio und konventionell getrennt. Anders als vor einigen Jahren sind Tierhäute wegen des global enorm gestiegenen Fleischkonsum heute ein Abfallprodukt und tragen nicht zur Finanzierung der Tierhaltung bei.

Weil wir der veganen Idee sehr verbunden sind, haben wir aber z.b. die vegane Linie bei ekn footwear mitangeregt und im Sommer ist unser Schuhsortiment dank Stoffschuhen überwiegend vegan.

 

Naturkautschuk (natural gum)

Naturkautschuk wird aus dem weißen Milchsaft des Kautschukbaumes gewonnen. Beim Anritzen der Rinde fließt eine weiße Milch heraus, die auch als Latex bezeichnet wird. Der Kautschukbaum wächst in den Tropengebieten Afrikas, Südamerikas und Asiens.
Zur Herstellung von Gummi wird der gewonnene Kautschuk unter Zusatz von Schwefel, Alterungsschutzmitteln, Seifenlösung und Füllstoffen zu Latex aufgeschäumt und vulkanisiert.
Aus Naturkautschuk können Sohlen und Innensohlen für Sneaker und andere Schuhe hergestellt werden. Bei unserem Brand Veja stammt der Kautschuk (wie auch alle anderen Materialien) aus Brasilien und dort von wilden Gummibäumen im Amazonas. Er wird von Waldbewohnern (den Seringueiros) geerntet und ohne industrielle Zwischenstufe zu Gummiplatten weiterverarbeitet. Die direkte Weiterverarbeitung ermöglicht es den Seringueiros ein Halbfertigprodukt zu verkaufen und damit ein höheres Einkommen als durch den Verkauf reiner Rohstoffe zu erzielen.

Im Gegensatz zu diesem nachwachsenden Rohstoff basiert synthetischer erzeugter Kautschuk auf  Erdöl und verbraucht sehr viel mehr Energie bei seiner Herstellung und Transport.